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Wachgeküsst

Behinderte Kinder begegnen Tieren

Ein Dokumentarfilm von Bigy & Rolf Jost

ZDF 37° -17. Mai 2005 - 22.30 Uhr 30 Min.

Hedda Banse ist 9 und an den Rollstuhl gefesselt. Mit 1 1/2 Jahren verlernte sie das sprechen. Mit 4 1/2 Jahren hat sie aufgehört, zu laufen; später mit dem Krabbeln und seit einem Jahr will sie auch nicht mehr trinken. Kein Arzt, weiß warum, sagt Heddas Mutter Wiebke. Und sie war bei Dutzenden von Ärzten, wegen der rätselhaften Krankheit.                    

Die Eltern sind fast pausenlos mit ihrem Kind beschäftigt. Es ist unmöglich, Hedda im Stehen das Gesicht zu waschen, weil sie immerzu wegknickt. Eben mal zum Bäcker ? Ein Aufstand: Rollstuhl raus, Kind rein und nach ein paar Minuten alles retour: da dauert das rein und raus länger als der Einkauf. Keinen Augenblick kann man Hedda alleine lassen. Tausend kleine Verrichtungen werden zum täglichen Problem.

Am schlimmsten aber: auch zu lächeln, gelingt Hedda immer seltener. Sie sucht nicht mehr von sich aus den Augenkontakt mit der Mutter oder dem Vater. Zeigt nicht mehr ihre Gefühle. Kommt die ungebrochene Liebe der Eltern bei dem Kind überhaupt noch an ? Die Frage ist schlimmer, als alles andere. „Ein Lachen oder ein anderes Zeichen von Hedda“, sagt Wiebke B., „läßt einen vieles vergessen.“ Wenn es denn noch gelingt.

Wenigstens hier gibt es Hoffnung, sagen Sozialpädagogen  im Verbund mit Tierforschern, die behutsam solche Kinder mit Tieren in Kontakt bringen. Behutsam in beide Richtungen: zum Kind ebenso wie zum Tier hin. Denn nur wahre Tierfreunde, die Art und individuelle Eigenart eines Tieres kennen und respektieren, seine spontanen Zu- oder auch Ab- Neigungen und seinen Spieltrieb richtig einschätzen, können die „Richtigen“ zusammenführen.

Neben Hedda werden wir Max, ein autistisches Kind und Lea mit einer Tuberösen Sklerose begleiten. Wir treffen sie und ihre Eltern vorher, in dem schweren Alltag zuhause und während der Begegnungen mit „ihrem“ Tier. Wir fragen auch, wie dauerhaft die guten Wirkungen sind. Im Zentrum aber wird die berührende Berührung selber stehen: wie Kind und Tier sich annähern ... wird das Wunder geschehen?

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- Max – 5 Jahre alt – bei unserem ersten Besuch nur ein kurzer Hauch von Begrüssung, dann ist er bei seiner Schaukel, auf der er mit dem Kopf vornüber hängt, schaukelt und monotonisch vor sich hin lautiert. Er kam gehörlos auf die Welt, was man erst spät erkannte. Mit zwei Jahren bekam er ein Cochlea-Implantat. Max hat noch nie gesprochen, seine Eltern wurden von ihm noch nie etwas gefragt.

Immer wieder kommt er an diesem Nachmittag im Garten zu den Erwachsenen, immer den Blick nach innen, manchmal auch ganz kurze Konzentration auf die anderen. Dann plötzlich kommt er wieder, stösst den Kopf an den Balken der Pergola, absichtlich ??? -  will er den Erwachsenen etwas sagen???

-Hedda - sitzt im Rollstuhl – sie konnte schon mal krabbeln, gehen und sprechen. Heute geht garnichts mehr, auch das Essen und trinken hat sie fast vollständig eingestellt. Sie wird seit einem Jahr über eine Sonde ernährt, macht einen fast durchsichtigen Eindruck.

 

Im August ist es dann soweit – wir begleiteten Max und seine Eltern und Hedda mit ihrem Bruder Hinnrich und seinen Eltern von zu Hause aus zur Therapie. Lea treffen wir mit ihrer Schwester Eva und ihren Eltern dann vor Ort.

In der Therapiewoche lacht Hedda nicht mehr, das fällt ganz schnell auf - zumindest nicht während der Therapiestunde – aber sie entspannt sich auf ganz neue Weise. Sie sitzt stumm im Schoss vor der Therapeutin und streichelt das Meerschweinchen  - mehr oder weniger von der Therapeutin geführt -

Nach der Stunde sieht man ganz deutlich, dass sich ihr Körper bzw. die Hände total entspannt haben. Wiebke, Heddas Mutter, erzählt, dass sie beim Wickeln fast Mühe hatte, Hedda zu halten, weil sie so entspannt war und sie ihre Beine nicht mehr anwinkeln wollte.

Heddas Eltern wünschen sich, dass ihr die Thearpie einfach nur guttut

Max tut sich schwer in der ersten Therapiestunde – er weiss nicht so recht, was das soll. Das Reiten schein im relativ schnell Spass zu machen, er lautiert sehr stark. Am dritten Tag sitzt er sehr selbstbewusst auf dem Tier und muss auch nicht mehr gehalten werden. Er scheint sich auch sehr wohl zu fühlen, sucht selbst sein Gleichgewicht auf dem Pferd.

Der erste Kontakt mit einem Hund ist spannend – schon in der zweiten Thearapiestunde kann er sich sichtlich fallen lassen kann – er sitzt mit dem Rücken vor dem Therapeuten, hat also Körperkontakt und berührt das Tier mit den nackten Füßen.

Anfangs scheint es ihn nicht recht zu interessieren, später macht er es ganz bewusst und würde am liebsten nicht mehr weggegehen.

Er entspannt sich ungemein – ist sogar manchmal kurz vor dem Einschlafen.

Die Eltern wünschen sich so sehr, dass sie mit Max irgendwie kommunizieren können !!!

- Lea - 5 Jahre alt – steht mit dem Gesicht zur Wand und lautiert leise vor sich hin. Ich spreche sie an und ein pauspackiges, rotfleckiges Gesicht schaut mich kurz an. – Lea kann nur wenige Worte sprechen. Ihre kleine Schwester Eva kann heute schon mehr Worte sprechen als Lea.

Lea zeigt in der Therapie sehr viel Angst –ein Abwechseln von fast Weinen und etwas übertriebenem Lachen und ständigem Lautieren. –  Am 3. und 4. Tag wirkt sie etwas entspannter, sitzt auch ohne fremde Hilfe auf dem Pferd  und lautiert auch weniger.

Mit den kleinen Tieren kann sie nichts anfangen. Sie tut sich schwer mit Konzentration – sucht die Aufmerksamkeit der Anderen.

Die Eltern wünschen sich, dass Lea etwas mehr mit ihrer Umwelt kommuniziert.

Worauf die Wirkung dieser „tiergestützten Therapie“ beruht, weiß man noch nicht genau. Man vermutet, daß die uneingeschränkte Akzeptanz, die Tiere solchen Kindern entgegenbringen, eine große Rolle spielt; und sicher auch die natürliche Verbundenheit, die Kinder mit Tieren haben. Sicher ist, daß ein Erfolg sich nur dort einstellen kann, wo das Verhältnis von Tier und Mensch von Sympathie getragen ist. – Ohne dies herauszustellen, finden die therapeutischen Begegnungen im Rahmen einer großangelegten Langzeit-Untersuchung der Universität Würzburg statt. Hohe Emotionalität wird also wissenschaftlich hinterfuttert sein: der Film wird keine Märchen erzählen und keine falschen Hoffnungen wecken.

http://www.zdf.de/ZDFde/inhalt/27/0,1872,2298011,00.html

http://www.lernen-mit-tieren.de

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