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Wido (23), Konrad (23), Andreas (25) und Uwe (24) sind die Helden dieses Films. Man erkennt sie an ihrer schwarzen Kluft mit den typisch angeordneten Knopfreihen, dem breitkrempigen Schlapphut über beringten Ohren und dem Bündel, das sie mit sich tragen; jeder hat so einen schon mal gesehen. Die Vier sind Zimmerleute. Und, nach einer 800-jährigen Tradition, "auf der Walz". Das bedeutet nach den strengen Zunftregeln: mindestens zwei Jahre und einen Tag unterwegs sein. Seinen Heimatort darf der Zunftgeselle während dieser Zeit nicht betreten, in einem Umkreis von 50 Kilometer. Zu Fuß oder per Anhalter, Bahnfahren ist verboten. Handys sind ebenfalls nicht gestattet.

Viel verdienen und auf die Seite legen lässt sich dabei nicht. Mit 5 Euro gehen die Gesellen los, mit 5 Euro kehren sie zurück. Manche Liebesbeziehung wird so auf eine harte Probe gestellt. Heimweh plagt sie oft und manchmal heftig. Sie begegnen Hilfsbereitschaft und Vorurteilen - manche Bürger halten sie für Penner. Im Bündel ist eine Garnitur zum Wechseln und alles, was sie zum Leben brauchen - mehr als was da reingeht, darf nicht mit auf die Reise. Das Leben auf der Walz ist hart. Aber dafür steht ihnen die Welt offen. Und dafür lohnt sich jede Entbehrung.

Fast ein wenig verächtlich schauen sie auf die herab, die im "Hotel Mama" bleiben. Zuhause hatte er alles, sagt zum Beispiel Andreas; "mit 24 ist aber der Zeitpunkt gekommen, da willst du was Neues erleben, andere Menschen, andere Nationen kennen lernen, für längere Zeit mit ihnen leben. - So, jetzt musst du raus", sagte er sich, "zuhause passiert nichts mehr, das ist irgendwo immer wieder dasselbe. Du brauchst aber einen gewissen Mut dazu."

"Das schönste von der Walz", sagt Uwe, "das ist glaube ich die Freiheit. Die Freiheit in allen Belangen, die Freiheit, in jede Himmelsrichtung zu gehen, auf die ich jetzt Lust hab, die Freiheit, niemandem Rechenschaft ablegen zu müssen." Er geht "in die Fremde", um seinen Horizont zu erweitern. "Studenten" bedauern sie: "Die haben doch null Ahnung vom Leben. Vom Schulbankdrücken lernste nix."

Die Kehrseite heißt: nie zu wissen, wo man im nächsten Monat sein wird. Dafür aber lernt man Selbstständigkeit und Unabhängigkeit. Dazu Toleranz und Menschenkenntnis. Es gibt Riesenfreuden und blaue Wunder. Und manchen Blick aus schönen Mädchenaugen ... Handwerksburschen auf der Welt lernen heute oft die halbe Welt kennen. Etliche wanderten in Russland, Amerika, Asien. Und überall ist ihre Qualitätsarbeit gefragt. Die kurzzeitigen Arbeitsstellen werden von den Zünften vermittelt.

Wido, Konrad, Andreas und Uwe haben sich zusammen für Namibia entschieden. Der Flug hin und zurück ist erlaubt - vor Ort heißt es wieder: wandern und per Anhalter ... mitten in der Wüste. Die Arbeit ist hart und eine Herausforderung: ein imposantes Haus in Pfahlbauweise sollen sie für ein Safaricamp bauen - in acht Wochen, Stunden von der nächsten Schotterpiste entfernt. Keiner der Vier hat jemals so etwas gemacht, sie wissen nicht, ob sie es schaffen können. Aber sie kneifen nicht.

Immer wieder sind mir bei Dreharbeiten im Ausland deutsche Zimmerleute begegnet -auf den Philippinen sowie in Indien und zuletzt in Afrika. So musste ich einen Film machen über diese Wandergesellen, die wohl ohne Geld mehrere Jahre durch die Welt ziehen. Doch es war nicht so einfach in den Zirkel dieser Zunft einzutauchen. Also suchte ich im Internet nach Verbänden und Zünften. Nach einem Telefonat wurde ich meistens barsch abgewiesen - sie sind nicht interessiert an einem Film und sowieso - das Fernsehen kommt gar nicht in Frage. „Die verdrehen alles und wir stehen wie die Bettler oder Penner da“.

Nach mehreren Bittgängen bei verschiedenen Zünften wurde mir klar, dass diese auch keine Öffentlichkeitsarbeit brauchen. Letztendlich hat dann der Vorsitzende der Freien Vogtländer Deutschlands Hans Walter Tafelski doch zugesagt, wenn ich mitreisen wolle und mich im Sinne der Zunft verhalten würde, können wir es mal versuchen. Für mich eine vage Aussage und als Filmer eigentlich ein nicht berechenbares Risiko.

Also traf ich mich mit vier Gesellen, um ihnen näher zu kommen - um Ängste und Zweifel abzubauen.
Die Gesellen wollten nach Afrika - genauer gesagt nach Namibia. Sie hatten gehört, das in der Wüste auf einer großen Sanddüne eine Lodge gebaut werden soll. Das reizte sie, mal was anderes zu bauen und vor allem dem Regen in Deutschland zu entrinnen.


Bei der Ankunft in Windhoek hatte der Zöllner mehr Interesse an dem kleinen Bündel Gepäck der Gesellen als an den vielen Kisten der Kameraausrüstung. Wir reisten auf den Spuren deutscher Kolonialgeschichte in Richtung Wolwedans, der Baustelle des deutschstämmigen Stephan Brückner. Mitten in der Namib und je weiter wir von zu Hause wegkamen, um so mehr lernten wir uns kennen. So wurden beim Bier Klischees abgebaut. So wie ich mir die Zünfte vorstellte, als auch die Meinung der Gesellen, dass das Fernsehen sie nur benütze und sowieso schon längst weiß, wie die Gesellen leben.

Auf der Baustelle, eine große Sanddüne, lag ein Haufen Holz. Der Bauherr studierte mit den Gesellen den Plan und dann ging es los. Aus dem Nichts entstand langsam ein schöner Holzbau. Mein Plan war, die ersten Tage die Gesellen auf der Baustelle zu beobachten. Dann kehrte ich nach Deutschland zurück, um sechs Wochen später wieder zu kommen und das Richtfest aufzunehmen - und mal sehen.

Ein Tag vor Abflug aus Deutschland rief mich der Bauherr Stephan aus Windhoek an, und erklärte mir, gestern gab es einen großen Streit auf der Baustelle und alle Gesellen sind abgereist. Mir viel das Herz in die Hose - wie soll ich da meinen Film fertig machen? Wie sich aber herausstellte, war es nur ein Witz von Stephan, aber alles ist möglich. Die Gesellen sind frei und wo es nicht geht, ziehen sie weiter.

Für mich eine neue Erkenntnis - sie haben mich nicht im Stich gelassen. Das Wort gilt, und wir wussten genau, dass wir die Sache gemeinsam bis zum Ende durchziehen werden.

Bauherr auf Wolwedans: Stephan Brückner

http://www.wolwedans.com

http://www.rechtschaffene-zimmerer.de/
http://www.tippelei.de/
http://www.aufderwalz.de/
http://wandergesellen.naturstein-netz.de/
http://www.lignashop.de/index.html

http://www.zdf.de/ZDFde/inhalt/17/0,1872,2046673,00.html

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Auf der Walz

Ein Dokumentarfilm in der Reihe 37° im ZDF
von Daniel Oliver Bachmann und Rolf Jost
Deutschland, Namibia 2003
30 Minuten

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